Tenso: Eine eigene Adresse für Einkäufe in Japan

Mittlerweile ist es relativ einfach geworden, über das Internet Dinge im Ausland zu kaufen. Wer eine Kreditkarte besitzt, kann beispielsweise auf Seiten wie yesasia.com oder auch auf Amazon Japan aus einem sehr großen Sortiment japanischer Bücher, Filme, Software und anderer Medien wählen. Dieses durchaus recht große Sortiment umfasst leider dennoch nur einen Bruchteil der online verfügbaren Waren. Wer etwa antiquarische Bücher bestellen möchte, war bisher auf einen in Japan wohnhaften Bekannten angewiesen, da die meisten japanischen Online-Shops nur an Adressen innerhalb Japans versenden. Besagter Bekannte muss die Lieferung dann noch entweder im Gepäck nach Deutschland mitbringen oder diese für den internationalen Versand fertigmachen.

An dieser Stelle setzt der Dienst Tenso (転送, japanisch für „Weiterleitung“) an.

Tenso fungiert im Grunde wie ein „Post-Proxy“, denn so wie ein “echter” Proxy im Internet eine IP-Adresse vortäuscht, die nicht der echten IP-Adresse des Benutzers entspricht, “täuscht” man einem japanischen Onlineshop mit dem Dienst Tenso eine japanische Adresse vor, die nicht dem tatsächlichen Wohnsitz entspricht.

 tenso

Tenso – ein Post-Proxy für Japan.

Und genau das ist die Dienstleistung von Tenso: Das Annehmen von Bestellungen und Postsendungen, die nur innerhalb Japans verschickt werden können – und die Weiterleitung derselbigen an Adressen im japanischen Ausland. Tenso unterhält im Tôkyôter Distrikt Shinagawa im Stadtgebiet Minamiooi ein Lagerhaus, das als Zwischenlager für solche Bestellungen fungiert.

Wenn man sich bei Tenso registriert, hinterlegt man zunächst seinen tatsächlichen Wohnsitz und erhält dann eine numerische Kennziffer und die Adresse des Lagerhauses. Diese Kennziffer ist mit einer Zimmernummer vergleichbar und wird bei Bestellungen in japanischen Onlineshops bei den Adressfeldern angegeben. Bezahlt wird üblicherweise mit Kreditkarte. Nach erfolgter Bestellung schickt der Onlineshop die georderten Waren an die angegebene Tenso-Adresse. Diese werden dort dann von den Angestellten von Tenso angenommen, inspiziert, umfrankiert und an den tatsächlichen Wohnsitz nach Übersee weitergeschickt.

Um das „inspiziert“ noch einmal besonders hervorzuheben: Alle Sendungen, die bei Tenso zwischenlanden, werden geöffnet und inspiziert. Laut Angaben von Tenso ist dies eine Notwendigkeit, um Geldwäscherei, Drogenhandel und Schmuggel zu unterbinden. Darüber hinaus dürfen eine ganze Reihe von Gegenständen nicht über Tenso verschickt werden, die einer allgemeinen Verbotsliste aufgeführt sind. Neben etwas exotischeren Einträgen wie gefährlichen Chemikalien, Waffen und explosiven Stoffen finden sich da auch Ausfuhrverbote für Plutonium, Uran und radioaktiven Abfall. Relevanter sind da vermutlich eher die Ausfuhrverbote für Lithium-Ionen-Batterien, Lithium-Metall-Batterien und „alle Produkte, in denen derartige Batterien verbaut sind“. Dies sollte insbesondere beim Kauf von Computerhardware und Elektronik beachtet werden. Darüber hinaus sind auch ganz generell “Fälschungen” (gemeint sind hier gefälschte Geldscheine, Briefmarken u.ä.), gebrannte CD- und DVD-Rohlinge, Tierfutter und Nationalschätze vom Versand ausgeschlossen.

Letzteres ist mit besonderer Vorsicht zu genießen, da die Definition “japanischer Nationalschätze und Kulturgüter” vergleichsweise weit gefaßt ist und unter anderem japanische Schwerter, Porzellan, verschiedene Kunstdrucke und vieles mehr umfaßt. Wer an solchen Dingen ein Interesse hegt, sollte sich besser vor Ort informieren, ob sie ausgeführt werden dürfen und dann persönlich mit nach Europa zurücknehmen.

Es versteht sich von selbst, dass das Weiterschicken nicht umsonst ist – abhängig von Gewicht und Größe zzgl. Versandkosten nach Übersee berechnet Tenso einen fixen Betrag, der per Kreditkarte oder auch per Paypal beglichen werden kann. Eine Preisübersicht in Listenform findet sich hier, einen Kostenrechner, der die zu erwartenden Kosten anhand des Liefergebietes und des Paketgewichtes berechnet, findet sich ganz unten auf derselben Seite.

Wirklich günstig sind die Sendungen allerdings nicht – Sendungen bis zu 300 Gramm Gewicht kosten beispielsweise insgesamt bereits 1990 Yen, nach gegenwärtigen Wechselkurs etwas über 17 €. Haben die Sendungen ein höheres Gewicht, muss auch mit deutlich höheren Versandkosten gerechnet werden.


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