Einfacher Längungsstriche schreiben

In japanologischen Arbeiten ist es häufig üblich, lang ausgesprochene Silben in japanischen Wörter wie shoujo 少女 oder konshuu 今週 in der Umschrift mit einem Längungsstrich im Stil von shōjo bzw. konshū auszuschreiben. Diese Makron genannten Längungsstriche sind allerdings kein normaler Bestandteil des deutschen bzw. englischen Tastaturschemas und müssen entweder umständlich  durch den „Ersetzen“ Befehl oder per Copy & Paste in den Text eingefügt werden.

Die Umschrift mit Makron sagt mir persönlich eher zu als die mit Zirkumflex. Um auf die oben angesprochenen unnötig komplizierten Umwege bei dessen Verwendung verzichten zu können, habe ich mit dem Microsoft Keyboard Layout Creator ein Tastaturschema erstellt, mit dem man fließend Makrons schreiben kann.

Das Tastaturschema (das hier oder in der Linkliste am Ende dieses Posts heruntergeladen werden kann) kann unter Windows XP, Windows Vista oder Windows 7 verwendet werden. Es installiert sich als eine zweite Tastatur für die Eingabesprache Deutsch und kann entweder per Maus (mit einem Klick auf das Tastatursymbol neben der Eingabesprachenkennzeichnung „DE“ unten rechts in der Taskleiste) oder direkt mit der Tastenkombination Strg + Umschalt angewählt werden.

Ist das neue Tastaturschema ausgewählt, können Längungszeichen mit Makron (ā ē ī ō ū) dann durch Drücken der AltGr-Taste und des entsprechenden Vokals geschrieben werden. Statt AltGr funktioniert übrigens auch die Tastenkombination Strg + Alt + Vokal. Die einzige Ausnahme stellt der Buchstabe „e“ dar: Da dieser bereits mit dem Euro-Symbol belegt ist, wurde das e mit Makron ē um einen Buchstaben nach rechts auf die „R„-Taste verschoben. Die genaue Belegung kann folgender Grafik entnommen werden:

Für die Umschrift von Großbuchstaben (Ā Ē Ī Ō Ū) muss beim Tippen lediglich noch die Umschalt-Taste hinzugenommen werden:

Ich stelle dieses Tastaturschema hier kostenlos zur freien Verfügung. Kommerzielle und nichtkommerzielle Verwendung sowie Weitergabe ist ausdrücklich erwünscht, solange die ReadMe-Datei im .zip Archiv in unveränderter Form beigefügt bleibt. Zum Installieren muss lediglich der Inhalt des .zip Archivs in einen separaten Ordner entpackt und dort dann die Datei „setup.exe“ ausgeführt“. Das Tastaturschema kann dann wie oben beschrieben ausgewählt werden.

Anmerkungen, Fragen und Kritik bzgl. des Layouts sind ausdrücklich erwünscht. Danksagungen natürlich auch. Ansonsten: Frohes Schaffen.


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Tenso: Eine eigene Adresse für Einkäufe in Japan

Mittlerweile ist es relativ einfach geworden, über das Internet Dinge im Ausland zu kaufen. Wer eine Kreditkarte besitzt, kann beispielsweise auf Seiten wie yesasia.com oder auch auf Amazon Japan aus einem sehr großen Sortiment japanischer Bücher, Filme, Software und anderer Medien wählen. Dieses durchaus recht große Sortiment umfasst leider dennoch nur einen Bruchteil der online verfügbaren Waren. Wer etwa antiquarische Bücher bestellen möchte, war bisher auf einen in Japan wohnhaften Bekannten angewiesen, da die meisten japanischen Online-Shops nur an Adressen innerhalb Japans versenden. Besagter Bekannte muss die Lieferung dann noch entweder im Gepäck nach Deutschland mitbringen oder diese für den internationalen Versand fertigmachen.

An dieser Stelle setzt der Dienst Tenso (転送, japanisch für „Weiterleitung“) an.

Tenso fungiert im Grunde wie ein „Post-Proxy“, denn so wie ein “echter” Proxy im Internet eine IP-Adresse vortäuscht, die nicht der echten IP-Adresse des Benutzers entspricht, “täuscht” man einem japanischen Onlineshop mit dem Dienst Tenso eine japanische Adresse vor, die nicht dem tatsächlichen Wohnsitz entspricht.

 tenso

Tenso – ein Post-Proxy für Japan.

Und genau das ist die Dienstleistung von Tenso: Das Annehmen von Bestellungen und Postsendungen, die nur innerhalb Japans verschickt werden können – und die Weiterleitung derselbigen an Adressen im japanischen Ausland. Tenso unterhält im Tôkyôter Distrikt Shinagawa im Stadtgebiet Minamiooi ein Lagerhaus, das als Zwischenlager für solche Bestellungen fungiert.

Wenn man sich bei Tenso registriert, hinterlegt man zunächst seinen tatsächlichen Wohnsitz und erhält dann eine numerische Kennziffer und die Adresse des Lagerhauses. Diese Kennziffer ist mit einer Zimmernummer vergleichbar und wird bei Bestellungen in japanischen Onlineshops bei den Adressfeldern angegeben. Bezahlt wird üblicherweise mit Kreditkarte. Nach erfolgter Bestellung schickt der Onlineshop die georderten Waren an die angegebene Tenso-Adresse. Diese werden dort dann von den Angestellten von Tenso angenommen, inspiziert, umfrankiert und an den tatsächlichen Wohnsitz nach Übersee weitergeschickt.

Um das „inspiziert“ noch einmal besonders hervorzuheben: Alle Sendungen, die bei Tenso zwischenlanden, werden geöffnet und inspiziert. Laut Angaben von Tenso ist dies eine Notwendigkeit, um Geldwäscherei, Drogenhandel und Schmuggel zu unterbinden. Darüber hinaus dürfen eine ganze Reihe von Gegenständen nicht über Tenso verschickt werden, die einer allgemeinen Verbotsliste aufgeführt sind. Neben etwas exotischeren Einträgen wie gefährlichen Chemikalien, Waffen und explosiven Stoffen finden sich da auch Ausfuhrverbote für Plutonium, Uran und radioaktiven Abfall. Relevanter sind da vermutlich eher die Ausfuhrverbote für Lithium-Ionen-Batterien, Lithium-Metall-Batterien und „alle Produkte, in denen derartige Batterien verbaut sind“. Dies sollte insbesondere beim Kauf von Computerhardware und Elektronik beachtet werden. Darüber hinaus sind auch ganz generell “Fälschungen” (gemeint sind hier gefälschte Geldscheine, Briefmarken u.ä.), gebrannte CD- und DVD-Rohlinge, Tierfutter und Nationalschätze vom Versand ausgeschlossen.

Letzteres ist mit besonderer Vorsicht zu genießen, da die Definition “japanischer Nationalschätze und Kulturgüter” vergleichsweise weit gefaßt ist und unter anderem japanische Schwerter, Porzellan, verschiedene Kunstdrucke und vieles mehr umfaßt. Wer an solchen Dingen ein Interesse hegt, sollte sich besser vor Ort informieren, ob sie ausgeführt werden dürfen und dann persönlich mit nach Europa zurücknehmen.

Es versteht sich von selbst, dass das Weiterschicken nicht umsonst ist – abhängig von Gewicht und Größe zzgl. Versandkosten nach Übersee berechnet Tenso einen fixen Betrag, der per Kreditkarte oder auch per Paypal beglichen werden kann. Eine Preisübersicht in Listenform findet sich hier, einen Kostenrechner, der die zu erwartenden Kosten anhand des Liefergebietes und des Paketgewichtes berechnet, findet sich ganz unten auf derselben Seite.

Wirklich günstig sind die Sendungen allerdings nicht – Sendungen bis zu 300 Gramm Gewicht kosten beispielsweise insgesamt bereits 1990 Yen, nach gegenwärtigen Wechselkurs etwas über 17 €. Haben die Sendungen ein höheres Gewicht, muss auch mit deutlich höheren Versandkosten gerechnet werden.


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Zur Berichterstattung über die Erdbebenkatastrophe in Japan

Die Erdbebenkatastrophe und der dadurch ausgelöste Tsunami vom 13. März 2011 in Japan sowie die durch Erdbeben und Tsunami ausgelöste initiale Atomreaktorkatastrophe in Fukushima liegen mittlerweile gut zwei Monate zurück. In den Tagen nach dem Erdbeben konzentrierte sich die internationale Berichterstattung zu großen Teilen auf die Vorgänge in Fukushima und blendete die anderen, gleichermaßen betroffenen Katastrophenregionen oft vollständig aus. Insbesondere die deutsche Berichterstattung hat sich hier stellenweise keinstenfalls mit Ruhm bekleckert.

Neben Schilderungen einer nuklearen Apokalypse in Fernost („Kann es zu einer nuklearen Explosion kommen?„, sueddeutsche.de, 15.03.), meist gefolgt von den schon fast ritualhaft exerzierten Vergleichen mit der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl („Fukushima sprengt die Dimension von Tschernobyl„, Spiegel Online, 31.03.), glänzte die deutsche Presse auch mit vollkommen unangebrachten Vergleichen der in Fukushima tätigen Techniker mit den kamikaze-Fliegerpiloten aus dem ultranationalistischen Japan des Zweiten Weltkrieges („20 Kamikaze gegen die Höllenmaschine Fukushima„, Welt Online, 17.03.). Einige der etwas gemäßigteren Schreiblinge versuchten indes, die Reaktionen der japanischen Bevölkerung auf die Erdbeben-, Tsunami- und Reaktorkrise auf ein wie auch immer geartetes japanisches Nationalgefühl zu reduzieren (siehe u.a. „Warum Japaner anders trauern„, Spiegel Online, 23.04.). Die Dringlichkeit, einen entsprechenden Artikel zu produzieren, trieb eine Journalistin eines deutschen Nachrichtenmagazins dazu, mitten in der Nacht bei dem japanischen Philosophen Kenichi Mishima anzurufen und diesen um eine Stellungnahme zur Katastrophe zu bitten. Als dieser sie auf die Uhrzeit hinwies, lies sie ihm eine Email mit Fragen zukommen, die -um die Wirkung nicht zu verfälschen- hier auszugsweise und wörtlich wiedergegeben werden soll:

Warum bleiben die Japaner in Japan? (…) Haben Sie für diese, uns sehr überraschende Tatsache eine Erklärung? Warum bleiben die Japaner ruhig und in Japan?“ (Frivole Ignoranz„, Zeit Online, 24.03.)

Wer einer Branche angehört, die u.a. durch Forderungen nach einem Leistungsschutzrecht ein besonders hohes, ergo schützenswertes Qualitätsniveau für ihre eigenen Erzeugnisse postuliert, sollte auch in der Lage sein, Berichterstattung von schützenswert hoher Qualität zu produzieren. Hätte die Journalistin ihre Fragen vor dem Abschicken noch einmal aufmerksam durchgelesen, wäre ihr vielleicht in den Sinn gekommen, dass es 1) logistisch unmöglich ist, mal eben ein komplettes Land mit 120 Millionen Einwohnern zu evakuieren, dass 2) diese 120 Millionen Einwohner nicht von einem Tag auf den anderen ihre mühsam aufgebauten Existenzen und Besitztümer zurücklassen würden und dass sie 3) mit der Aussage, dass die Japaner angesichts der Katastrophe ruhig bleiben würden, etwas behauptet, von dem sie höchstwahrscheinlich gar nicht weiß, ob es tatsächlich stimmt. Dieser und andere Exotisierungsversuche wurden glücklicherweise nicht nur auf japanologischen Mailinglisten kontrovers diskutiert, sondern fanden auch innerhalb der deutschen Presse kritische Betrachtung (siehe obiger Zeit-Artikel).

Weitere traurige Höhepunkte der Berichterstattung über Fukushima stellen ein im heute-Journal des ZDF gesendetes „Katastrophenmusikvideo“ sowie die Berichterstattung des ARD-Korrespondenten Robert Hetkämper, der dem AKW-Betreiber TEPCO unterstellte, Obdachlose, Zeitarbeiter und Minderjährige zu beschäftigen, dar.

Ahnlich gravierende journalistische Verfehlungen im Bezug auf die internationale Berichterstattung zur Erdbeben-, Tsunami- und Reaktorkatastrophe in Japan wurden auf der „Journalist Wall of Shame“ zusammengetragen. Neben Erscheinungsdatum des in Frage kommenden Artikels wird in der Liste auch der Titel des jeweiligen Mediums, der Name des verantwortlichen Redakteurs sowie eine Härtefallwertung von 1 bis 10 aufgeführt. Eine Wertung von „1“ kennzeichnet einen faktisch nicht ganz sauber recherchierten Artikel. Artikel mit der Wertung „10“ zeichnen sich hingegen durch weitestgehend faktenbefreite, hysterische und mit rassistischen oder kulturellen Vorurteilen garnierte Panikmacherei aus. Die genauen Begründungen für die vergebenen Wertungen können auf der Wall of Shame direkt in der jeweiligen Zeile nachgelesen werden.

Neben zahlreichen Artikeln aus den britischen Ramschmedien (Telegraph, The Sun) ist auch die deutsche Presse, darunter insbesondere Presseerzeugnisse aus dem Hause Springer, recht zahlreich auf der Liste vertreten.

Folgende deutschsprachige, online abrufbare journalistische Erzeugnisse finden sich auf der Schundliste (chronologisch sortiert):

Ich vermute ja, dass die Bild-„Zeitung“ in der Schundliste nur deshalb ein einziges Mal auftaucht, weil man dort sonst gleich deren komplette Fukushima-Berichterstattung verlinken müsste. 

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Wozu das Ganze

Am Donnerstag, den 10. März, fasste ich die Entscheidung, ein Japan-bezogenes Blog zu starten. Es störte mich, dass die sonst in irgendeiner Form Japan-bezogenen deutschsprachigen Blogs sich nahezu ausschließlich mit Aspekten japanischer Populärkultur (Anime, Manga, Mode etc.) auseinanderzusetzen schienen. Bis auf das Blog „kotoba“ des an der Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn tätigen Professors Reinhard Zöllner und das persönliche Blog des Tübinger Japanologiestudenten Roger Braun scheinte es in der deutschen Blogosphäre keine weiteren japanologischen Blogs zu geben. Dem wollte ich abhelfen, also: selbst etwas schreiben.

Da ich mit einem in Eigenregie gehosteten Blog bereits mehrfach schlechte Erfahrungen gemacht hatte, wollte ich dieses Mal kein Risiko eingehen und registrierte mir ein zentrales Blog bei WordPress.com. Ich spielte mit den Möglichkeiten und Designs herum und fing an, mir einen Namen zu überlegen.

Die Ereignisse am Abend des Folgetages, das große Erdbeben und der Tsunami vom 11. März in Japan, die dadurch verursachten Schäden und die darauf folgende -auch heute immer noch nicht ausgestandene- Reaktorkatastrophe von Fukushima machten mir allerdings zunächst einmal einen ziemlichen Strich durch die Rechnung. Ich versuchte, über das Internet mit meinen Freunden und Bekannten in Japan Kontakt aufzunehmen und mich von deren Wohlbefinden zu versichern. Mit stillschweigenden Entsetzen verfolgte ich die Situationsberichte im japanischen Fernsehen auf diversen Streaming-Webseiten, die nicht zu geringen Teilen reißerische und teilweise faktisch falsche Berichterstattung in den deutschen Medien und die Schilderungen direkt betroffener Personen auf Twitter. Kurzum: Bloggen stand auf der Liste meiner Prioritäten für eine Weile nicht sehr weit oben.

Das hat sich zum Glück mittlerweile wieder geändert.

In der Zwischenzeit hatte ich mir viele Gedanken über einen möglichen Namen für dieses Blog gemacht. Unter den Kandidaten befanden sich Titel wie der an das Werk „Auf schmalen Pfaden durchs Hinderland“ von Matsuo Basho angelehnte „Durchs digitale Hinterland“ oder „Zu Gast im Drachenpalast“, was auf die Legende mit dem Fischer und der Schildkröte anspielen sollte. Letzten Endes entschied ich mich dann allerdings in Anlehnung an das großartige, internetbasierte Technologiemagazin Ars Technica für den lateinischen Titel „Ars Nipponica„.

Ich möchte mir mit solch einem Titel nicht anmaßen, mit diesem bescheidenen kleinen Blog an die Größen von Ars Technica oder gar der ehernen Monumenta Nipponica auch nur heranzureichen. Der Titel soll allerdings einen gehobenen Anspruch an die eigenen Beiträge zum Ausdruck bringen.

Die Bedeutung von „Nipponica“ dürfte klar sein, das Wort „ars“ könnte im weitesten Sinne als „Handwerk“ oder „Kunst“ übersetzt werden. Würde man den Titel auf deutsch formulieren, so würde er dementsprechend wohl „Die japanischen Künste“ lauten. Für den Inhalt dieses Blogs ist „Künste“ als ein sehr weit gefasster Begriff zu verstehen, der neben den unstreitbar zahlreichen schönen Künsten, die die Kultur Japans hervorgebracht hat, unter anderem auch die gesellschaftlichen Künste, die Staatskunst und die Kriegskunst einschließt.

Kurzum: Ich möchte in diesem Blog über verschiedene Aspekte der japanischen Kultur, Politik und Geschichte aus vergangenen und heutigen Zeiten schreiben. Kommentare, Anmerkungen und, sofern nötig, Korrekturen, sind selbstverständlich sehr gerne gesehen.

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